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Tschilp, Tschilp

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Leipziger Buchmesse vom 18. bis 21. März

Kommen Sie vorbei, schnuppern und blättern Sie sich durch unsere Bücher, plaudern Sie mit dem Verleger: Halle 5, D107. Unter »Termine« erfahren Sie außerdem, wo Sie Maike Albath erwischen können, die ihr frisch erschienenes Buch »Der Geist von Turin« vorstellt.
Heinrich-Mann-Preis 2010 an Michael Maar

Der Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste geht in diesem Jahr an Michael Maar. Der mit 8.000 € dotierte Preis für Essayistik wird am 28. März 2010 in Berlin verliehen. Wolf Lepenies, Ursula März und Hanns Zischler, Preisträger im letzten Jahr, bildeten die unabhängige Jury für den Heinrich-Mann-Preis 2010.

Wir freuen uns sehr und gratulieren herzlich!

Aus der Begründung der Jury:
»Michael Maar ist der Detektiv unter den Essayisten. Der Verdacht ist sein Leitmotiv. Die von ihm geliebten und immer wieder neu gelesenen Autoren – Proust, Thomas Mann, Powell, Nabokov – haben etwas zu verbergen. Die Literatur ist ein Tatort: Genaues Lesen bringt Geheimnisse ans Licht, kommt Verschlüsselungen auf die Spur, erlaubt den Blick hinter Attrappen und Kulissen. Spurensuche und Spurensicherung richten sich, wie Nabokov es genannt hat, auf das ‚entscheidende Detail’: Aus dem Puzzle der Indizien entsteht durch die unbestechliche Sorgfalt und das produktive Misstrauen von Michael Maar ein neues Bild von Autoren, die wir genau zu kennen glaubten. Vertraute werden zu Verdächtigen – und Verdächtige provozieren dazu, uns mit ihnen erneut, unvoreingenommen und mit frischem Blick zu beschäftigen. (…) Zu den verblüffenden Fähigkeiten von Michael Maar zählt seine Fähigkeit zur ‚Reanimation’. Er vermag Texte wiederzubeleben, die wir in oberflächlich-abschließender Bewunderung im Archiv abgelegt und nie mehr befragt hatten. Für Maar aber wird das Archiv zum Lesesaal und Aktualität findet sich in jedem Antiquariat. Große Literatur bedeutet stets Zeitgenossenschaft mit dem Leser. Maars Stil ist makellos, unangestrengt, fließend mit einer Sogwirkung, welcher der Leser sich nicht entziehen kann. Die Fülle der Hinweise und Fingerzeige, die er den Texten entlockt, fügt er zu Kompositionen, die den Meisterautoren gerecht werden, denen seine skeptische Bewunderung gilt.«
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Michael Kimmelman, »New York Times«
Ingo Schulze mit Eliot Weinberger in Hannover

»Mehr Freund und literarischer Sparringpartner als Moderator« wurde Ingo Schulze von Andreas Kilb genannt, der in der FAZ vom gemeinsamen Auftritt Schulzes und Eliot Weinbergers beim internationalen literaturfestival berlin berichtete.

Nach einem zweiten Abend in Hamburg, bei dem Weinberger der Presse als »brillant, virtuos, witzig und scharfsinnig«, Schulze als »uneitel und sichtlich angeregt« (Hamburger Abendblatt) in Erinnerung geblieben ist, kommen die beiden am 4. Mai 2010 in Hannover noch einmal zu einer Lesung zusammen. Wir lehnen uns aus dem Fenster und garantieren einen höchst vergnüglichen Abend!

Die Daten der Lesereise finden Sie unter »Termine«. Und sollten Sie es nicht nach Hannover schaffen: Allein ist Weinberger ebenfalls umwerfend!
Michael Maar und Luzius Keller in Hamburg

»Mein stärkstes Lese-Erlebnis«
Die beiden derzeit größten Proust-Exegeten im unterhaltsamen Clinch
Von Frank Keil

Michael Maar ist 25 Jahre alt, da schenkt ihm seine Frau Marcel Prousts monumentales Werk »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit«; komplett und auf Deutsch. »Ich habe mich damals sehr darüber gefreut, blieb aber im ersten Band stecken. Ich hab natürlich gleich gesehen: Das ist alles fantastisch, man erkennt das Genie auf jeder Seite. Aber ich dachte seinerzeit: 2000 Seiten nur Fliederblüten und Weißdorn, das halte ich nicht durch; da ist mir zu wenig Plot.«

Er legt es weg, beginnt ein halbes Jahr später mit dem zweiten Band - und entdeckt Proust als pointierten Schilderer von Gesellschaftsszenen, der ihn sofort in seinen Bann zieht: »Wenn man dann ein paar hundert Seiten dabei ist, schafft man es gut. Später holt man den ersten Band nach und merkt: Es ist der Schönste von allen.«

Knapp 25 Jahre später ist der Literaturkritiker und Autor Michael Maar zu Gast im Hotel Wedina: »Proust war das stärkste Leseerlebnis meines Lebens, und dass ich irgendwann einmal darüber Rechenschaft ablegen würde, war mir schnell klar.« Er schiebt dies Projekt immer wieder vor sich her, schreibt über Thomas Mann, Vladimir Nabokov, verfasst ein Lexikon zu Harry Potter, findet immer wieder zu Proust zurück: »Ich wusste, wenn ich über Proust schreibe, dann muss es ein schlanker Band sein.«

Und so ist es denn ein dünnes Buch geworden, keine 80 Seiten stark: »Proust Pharao«. Dass er auch diesmal für seinen Stil geschätzt wird, für seine Art, präzise wie unterhaltsam zu schreiben, freut ihn: »Theoretisch wissen alle, dass die Kritik eine eigenständige Kunstform ist; dass ein Essay von Thomas Mann so gut sein kann wie eine Erzählung von ihm - oder sogar besser. Aber es gibt da eine Art interner Hierarchie: Da steht die Lyrik ganz oben, dann folgt der Roman - die Kritik kommt viel weiter unten. Das steckt in jedem drinnen, auch in mir.« Und er versucht eben seit 25 Jahren dagegen anzuschreiben: »Wenn ich nicht daran glauben würde, ich würde mir nicht diese Mühe geben.«

Anderthalb Stunden später sitzt Michael Maar im Literaturhaus, ihm zur Seite dessen Leiter Rainer Moritz, der durch den kommenden Proustabend führen wird, und dann folgt Luzius Keller, emeritierter Professor für französische Literatur aus Zürich. Keller hat nicht nur die legendäre Frankfurter Proustausgabe herausgegeben, sondern auch die »Marcel-Proust-Enzyklopädie«, sie zugleich mit aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt: Gut 1000 Stichworte samt Querverweisen zu Werk und Person erstrecken sich auf über 1000 Seiten. Doch bevor es losgeht, muss Michael Maar etwas gestehen: Er sei ein wenig geschockt! Denn vor kurzem habe er in Ulm gelesen, vor acht Besuchern. Jetzt sind es zehn mal so viele, mindestens.

Allein der Schock ist schnell überwunden und der Abend kann beginnen: Fast artig bescheinigen sich die beiden Experten gegenseitig, ein wichtiges Werk zu Proust abgeliefert zu haben. Proust, der große Humorist, Proust der Analytiker von gesellschaftlichem Wandel - sie sind sich einig; nicken wohlwollend, wenn der andere aus seinem Buch eine Passage liest und dann und wann huscht ein kurzes, wissendes Lächeln über ihr Gesicht, wenn irgendein Details aus Proust Leben oder Werk berührt wird.

Nur ganz am Ende gibt es einen kleinen Dissens: Für Maar rankt sich um die Person der Celeste, Prousts Haushälterin, die nicht kochen konnte und die neun Jahre lang sein Leben begleitete, die bewegendste Liebesgeschichte der neueren Literatur - so wie sein Kapitel über Celeste eben sein Lieblingskapitel sei.

Keller sagt dagegen knapp: »Ich mag sie nicht besonders.« Nur als versteckte und zu entziffernde Figur in Proust Werk, da findet er sie wieder interessant. Und so wird am Ende doch noch deutlich, von wo aus die beiden derzeit größten Proust-Exegeten ihren Weg beschreiten: Maar kommt vom Werk und gelangt zur Person; Keller mag das Werk eher ungern verlassen.

Die Welt, 10. Dezember 2009